Viele Menschen reagieren auf das Wort Kunsttherapie zunächst mit einem Lächeln und sagen:
«Ich kann überhaupt nicht malen.»
Diese Sorge höre ich oft. Und sie ist völlig verständlich. Viele verbinden Malen mit Schulnoten, Talent oder dem Anspruch, etwas Schönes gestalten zu müssen.
Doch genau darum geht es in der Kunsttherapie nicht.
Hier gibt es kein Richtig und kein Falsch. Niemand beurteilt Ihr Bild. Niemand erwartet ein Kunstwerk. Entscheidend ist nicht, was am Ende auf dem Papier entsteht, sondern was während des Gestaltens geschieht.
Manchmal erzählt eine einfache Linie mehr als ein sorgfältig gemaltes Bild. Eine Farbe kann eine Stimmung ausdrücken, für die es keine passenden Worte gibt. Ein spontaner Pinselstrich kann etwas sichtbar machen, das lange im Verborgenen lag.
Deshalb brauchen Sie keine künstlerischen Vorkenntnisse. Sie müssen weder zeichnen noch malen können. Alles, was Sie mitbringen, ist Ihre persönliche Geschichte.
Im Atelier stehen Ihnen Farben, Kreiden, Ton, Papier und viele andere Materialien zur Verfügung. Gemeinsam finden wir heraus, welche Ausdrucksform zu Ihnen passt. Manche Menschen arbeiten lieber mit Farben, andere gestalten mit Ton oder Collagen. Es gibt keinen vorgegebenen Weg.
Gerade Menschen, die von sich behaupten, überhaupt nicht kreativ zu sein, erleben oft eine überraschende Erfahrung. Sobald der Druck verschwindet, etwas Schönes oder Perfektes schaffen zu müssen, entsteht Raum für Neugier, Entspannung und neue Gedanken.
Kunsttherapie ist deshalb keine Malschule. Sie ist auch kein Zeichenkurs. Sie ist ein geschützter Raum, in dem Gefühle, Erinnerungen und innere Bilder ihren Ausdruck finden dürfen – ganz ohne Leistungsdruck.
Vielleicht entsteht dabei ein Bild. Vielleicht auch nur ein paar Farbfelder oder einfache Formen.
Und manchmal beginnt genau dort eine Veränderung.