Essstörungen: Therapien, Symptome und Ursachen

Essstörungen wie Magersucht, Bulimie und Binge-Eating (BES) und ihre schweren gesundheitlichen Folgen sind schon lange bekannt, dennoch erkranken immer mehr Menschen – besonders Jugendliche – daran.

Das ungesunde, nahezu unerreichbare Schönheitsideal, welches immer noch in den Medien Verbreitung findet, könnte eine der Ursachen sein für die weite Verbreitung. «Dünnsein» wird oft mit Erfolg gleichgesetzt. Das könnte besonders für labile, vorbelastete Menschen ein Auslöser sein, eine Essstörung zu entwickeln.

Gestörtes Essverhalten lässt sich nicht bei allen Krankheiten von aussen erkennen: An Bulimie erkrankte sind oft normalgewichtig. Für Angehörige ist es aber wichtig, die ersten Anzeichen möglichst früh wahrzunehmen und schnell zu intervenieren.

Durch das Internet verbreiten sich Trends schnell. Junge Frauen – und auch immer mehr Männer – wetteifern in sozialen Netzwerken und auf Online-Plattformen u.a. darum, wer die schönste «Thigh Gap», eine grosse Lücke zwischen den Oberschenkeln, hat.

In Online-Foren tauschen sie sich über die besten Ernährungstipps und Fitness-Übungen aus. Doch schon scheinbar harmlose Diäten können gerade bei jungen Menschen in einer Essstörung enden.

Alarmierend ist auch die Entwicklung: Die Betroffenen werden immer jünger: Bereits 21 Prozent der 11–17-Jährigen zeigen Symptome von Essstörungen, knapp die Hälfte aller Mädchen fühlen sich zu dick.

Welche Essstörungen gibt es? Welche Ursachen hat die Krankheit? Was können mögliche Folgen sein? Welche Therapien helfen?

  1. Anorexia Nervosa – Die Magersucht
  2. Bulimia Nervosa – Die Bulimie
  3. Binge-Eating-Disorder
  4. Wie kann man Essstörungen therapieren?

Anorexia Nervosa – Die Magersucht

Die Magersucht ist die gefährlichste aller Essstörungen. In Deutschland sind beispielsweise rund 100’000 Menschen von dieser Art betroffenen: Gefährlich deshalb, weil Anorexia Nervosa die psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate ist, noch vor Depressionen.

Was sind Anzeichen und Symptome?

Im fortgeschrittenen Stadium ist Magersucht kaum noch zu übersehen. Ab einem BMI von 17,5 gilt die Gewichtsgrenze zur Magersucht als unterschritten. Das entspricht bei einer Größe von 1,70 Meter weniger als 50 Kilogramm. Doch schon vor der starken Gewichtsabnahme macht sich diese Essstörung bemerkbar.

Betroffene Person meiden plötzlich bestimmte (meist hochkalorische) Nahrungsmittelgruppen und suchen Ausreden für Mahlzeiten. Auch exzessiver Sport und Isolation sind Alarmzeichen.

Magersüchtige beschäftigen sich meist auffallend intensiv mit dem Thema Ernährung: Sie kochen für Familie und Freunde, ohne jedoch selbst einen Bissen anzurühren.

Was sind Diagnosekriterien für Magersucht?

Als klinische Diagnosekriterien für Magersucht gelten:

  • Weigerung, das Körpergewicht über einem minimalen Normalgewicht zu halten, das Alter und Grösse entspricht (BMI unter 17,5)
  • Intensive Furcht vor einer Gewichtszunahme
  • Störung in der Art und Weise, in der das eigene Körpergewicht oder die eigene Figur erlebt wird (Körperschemastörung)
  • Ausbleiben von mindestens drei aufeinanderfolgenden Menstruationszyklen.

Was sind Ursachen und Folgen?

Die Ursachen von Magersucht sind vielfältig. Neben dem allgegenwärtigen Schönheitsideal der Gesellschaft spielen auch persönliche und familiäre Faktoren eine Rolle. Viele Magersüchtige sind sehr perfektionistisch und ehrgeizig, sie haben in der Schule oft gute Noten und streben nach Erfolg im Leben.

Trotz alledem haben sie ein geringes Selbstwertgefühl und denken, dass sie nie gut genug sind. In der Familie herrscht oft hoher Leistungsdruck, Probleme und Konflikte werden meist nicht offen ausgetragen. Auch genetische Faktoren können das Entstehen der Krankheit begünstigen.

Die Folgen von Magersucht sind oft gravierend. Dauerhafte Mangelernährung führt unter anderem zu Unfruchtbarkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder im schlimmsten Fall zum Tod.

Bulimia Nervosa – Die Bulimie

Bulimie, auch Ess-Brech-Sucht genannt, ist eine Essstörung, bei der Betroffene regelmässig Essattacken haben, bei denen sie extreme Mengen an Nahrung zu sich nehmen. Danach haben sie grosse Schuldgefühle und wollen die aufgenommene Nahrung sofort wieder loswerden – meist durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, aber auch durch Abführmittel oder exzessiven Sport.
Bulimie betrifft meistens Frauen, 80 Prozent sind jünger als 22 Jahre.

Was sind Anzeichen und Symptome?

Das heimtückische an der Ess-Brech-Sucht ist, dass die meisten Betroffenen – im Gegensatz zur Magersucht – normalgewichtig sind und die Krankheit für ihr Umfeld jahrelang «unsichtbar» bleiben kann.

  • Ein mögliches Anzeichen für Bulimie kann sein, wenn die entsprechende Person nach dem Essen sofort auf Toilette verschwindet und dazu noch die Dusche oder den Wasserhahn lange laufen lässt, um die Brechgeräusche zu übertönen.
  • Auffällig ist auch das Horten grosser Mengen an Lebensmitteln oder der Besitz von Abführmitteln. Depressionen und ein geringes Selbstgefühl spielen bei der Bulimie auch oft eine grosse Rolle.

Was sind die Diagnosekriterien für Bulimie?

  • Regelmässige Essanfälle. Ein Essanfall ist durch folgende zwei Merkmale gekennzeichnet: In einem abgrenzbaren Zeitraum (z. B. innerhalb von 2 Stunden) wird eine Nahrungsmenge gegessen, die deutlich grösser ist als die Menge, die die meisten anderen Leute im selben Zeitraum essen würden
  • Regelmässiges Kompensationsverhalten, um einen Gewichtsanstieg zu vermeiden, wie selbstherbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Fasten oder exzessiver Sport
  • Die Bewertung der eigenen Person wird durch Figur und Gewicht übermässig beeinflusst.

Was sind Ursachen und Folgen?

Auslöser für Bulimie sind häufig traumatische Ereignisse oder belastende Situationen. Dies kann Mobbing sein, aber auch der Tod einer nahestehenden Person oder Missbrauch.

Auch wenn die verantwortlichen Faktoren nicht mehr bestehen, bleibt die Krankheit oft akut.

Durch die Essstörung wird das ohnehin schon meist niedrige Selbstwertgefühl noch geringer, was zu Depressionen führen kann.

Auch die körperlichen Schäden der Bulimie sind nicht zu unterschätzen. Durch das Erbrechen werden durch die aufsteigende Magensäure die Zähne geschädigt. Ausserdem kann es zu Heiserkeit, Schluckbeschwerden bis hin zur Schädigung der Speiseröhren- und Magenwand kommen. Auch ein Magendurchbruch ist nicht selten.

Binge-Eating-Disorder

Was sind Anzeichen und Symptome?

Die Binge-Eating-Disorder ist gerade im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr zu übersehen, denn die Betroffenen sind stark übergewichtig.

Neben den Essattacken sind die psychischen Symptome sehr ausgeprägt. Die Essgestörten haben oft grosse Schuldgefühle, die zu Depressionen führen können.

Ausserdem haben sie ein niedriges Selbstgefühl und isolieren sich oft.

Die Diagnosekriterien für die Binge-Eating-Disorder sind:

  • Regelmässige Essanfälle
  • Die Essanfälle sind mit drei (oder mehr) der folgenden Merkmale verbunden: Es wird wesentlich schneller gegessen als normal. Es wird gegessen, bis man sich unangenehm voll fühlt. Es werden grosse Mengen gegessen, obwohl man sich nicht körperlich hungrig fühlt
  • Es wird allein gegessen, weil es peinlich ist, wie viel man isst
  • Man fühlt sich depressiv oder sehr schuldig nach dem Überessen
  • Es besteht hinsichtlich der Essanfälle merkliche Verzweiflung
  • Die Essanfälle sind nicht mit der regelmässigen Anwendung von unange-messenem Kompensationsverhalten verbunden

Was sind die Ursachen und Folgen?

Bei der Esssucht sind die Ursachen meist ähnlich denen der Bulimie. Belastende Situation wie Mobbing oder Missbrauch können ebenso als auslösende Faktoren infrage kommen wie ein negatives Selbstbild oder ein niedriges Selbstbewusstsein.

Die Folgen von Übergewicht sind genauso schwerwiegend wie die von Untergewicht. Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen und Krebs sind nur einige der Krankheiten, die durch Fettleibigkeit ausgelöst werden können. Hinzu kommen psychische Probleme wie Depressionen.

Wie kann man Essstörungen therapieren?

Wenn Eltern oder Freunde erste Anzeichen von gestörtem Essverhalten bemerken, ist es wichtig, die betroffenen anzusprechen.

Das Ausweichen auf Fragen oder auffällige Antworten können auf ein Problem hinweisen. Besonders Magersüchtige sehen sich oft nicht als krank. Das liegt an der verzerrten Körperwahrnehmung, die für sie einen ausgemergelten Körper als «zu dick» erscheinen lässt.

Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zu holen. Wenden sie sich an Ihren Arzt
oder Beratungsstellen in Ihrem Umfeld, zum Beispiel:

Egal, um welche Essstörung es sich handelt, es ist dringend therapeutische Hilfe nötig. Im fortgeschrittenen Stadium auch medizinische Versorgung, um den bedrohlichen Zustand des Körpers zu stabilisieren.

Je nachdem ist ein Klinikaufenthalt unumgänglich oder der Umzug in eine therapeutische Wohngruppe. Auch ambulante Therapien wie Psychotherapie sind wichtig.

Eine sehr hilfreiche und effiziente Therapie ist die Kunsttherapie, denn der Betroffene kann seine Gefühle und Emotionen über die Kreativität ausdrücken.

In der Kunsttherapie liegt das Hauptaugenmerk auf dem künstlerischen Schaffen. Krankheit und Essen sind nicht das Hauptthema. Somit haben Kunsttherapeutinnen gute Möglichkeiten, einerseits eine Verbindung zwischen dem inneren und äusseren Menschen herzustellen, als auch nonverbal eine Verbindung zum Klienten zu signalisieren und aufzubauen.

Kreativ tätig zu sein, ist immer ein sehr individueller Prozess. Dabei wird die Vergangenheit bewältigt und Gegenwart und Zukunft neu gestaltet.

Die Kunsttherapie will die Klienten aus der Ichlosigkeit befreien. Sie ist somit ein Wiederfinden ein Wahrnehmen und Spüren, ein Erleben und Umgehen mit den eigenen Grenzen von innen und aussen, von Leib und Seele.

Sie richtet sich nach der Entstehungsgeschichte, fragt nach dem Woher, Wodurch, nach Ursache und Grund der Krankheit, ist somit an die Vergangenheit orientiert.

Heilung im Sinne der Kunsttherapie ist Annehmen und Integrieren der neuen Erfahrungen und Errungenschaften, im Auffinden von Ressourcen, sowie im Neuerwerb von Fähigkeiten und Einsichten, von neuen Umgangs- oder Lebensformen