Die eine Zigarette, das tägliche Glas Wein oder der eine Joint auf der Party – das ist doch kein Problem.

So denken viele Menschen, die dann viel zu schnell in eine Abhängigkeit rutschen. Der Weg in eine Sucht ist oftmals kürzer als wir denken, der Weg hinaus allerdings für viele fast unbezwingbar.

Wie kann es soweit kommen? Welche Behandlungsformen gibt es? Und wie kann beispielsweise eine gezielte Suchttherapie, die mit Kunst und Gestaltung arbeitet, wirken?

Doch zunächst ein paar harte Fakten:

Sucht ist eine Krankheit und charakterisiert ein zwanghaftes Verhalten, das auch dann weiterbesteht, wenn schwerwiegende gesundheitliche und soziale Folgen für den betroffenen Menschen und sein Umfeld eintreten.

Sucht hat viele Gesichter. Neben dem Konsum psychoaktiver Substanzen wie Tabak, Alkohol, Drogen oder Medikamente fällt auch exzessives Verhalten wie Internetnutzung oder Glücksspiel unter den Suchtbegriff.

Sucht und risikoreiches Verhalten verursachen frühzeitige Todesfälle und hohe volkswirtschaftliche Kosten.

Der Konsum psychoaktiver Substanzen ist in der Schweiz weit verbreitet. Neun von zehn Personen trinken Alkohol, jede vierte raucht, und eine halbe Million hat im vergangenen Jahr mindestens einmal Cannabis konsumiert.

Schätzungen gehen davon aus, dass rund 250‘000 Menschen in der Schweiz alkoholabhängig sind. Genauere Angaben dazu gibt es nicht, weil viele Menschen aus Scham keine Hilfe suchen.

Bei rund einem Viertel aller Menschen, die 2013 in einer psychiatrischen Klinik behandelt wurden, war der problematische Substanzkonsum das Hauptproblem. Jede sechste psychiatrische Diagnose eines Hausarztes steht im Zusammenhang mit Alkohol.

(Quelle: bag.admin.ch)

Die meisten Menschen unterschätzen die sogenannten legalen Einstiegsdrogen wie Nikotin oder Alkohol.

Es gibt aber auch andere Formen von Süchten. Dazu zählen auch bestimmte Verhaltensweisen oder Essstörungen.

Ausschlaggebend ist immer eine gewisse psychische und körperliche Abhängigkeit der KlientInnen.

Menschen, die von etwas abhängig sind, stehen oftmals unter einem erheblichen Leidensdruck. Schlechte Gewissen werden verdrängt, Gefühle mit der Sucht unterdrückt. Die Folgen und Beeinträchtigungen im Alltag sind gravierend:

  • Soziale Konsequenzen: Einsamkeit, Abstumpfung, Vertrauensverlust von Familie und Freunden.
  • Existenzielle Konsequenzen: finanzielle Schwierigkeiten, Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung.

Diese Folgen sind nicht nur für ein individuelles Schicksal schwerwiegend. Auch für die Gesellschaft können die unterschiedlichen Formen von Suchterkrankungen zum Problem werden.
An diesen Eigenschaften einer Suchterkrankung setzt die Kunsttherapie an.

Bei den unterschiedlichsten Suchterkrankungen gilt es zunächst, den Willen zur Veränderung und Verbesserung im Klienten zu erzeugen. Nur mit diesem Ansatz kann eine Behandlung auch langfristig erfolgreich sein.

Neben den klassischen stationären Suchttherapien und Behandlungen in einer Klinik gibt es eine Vielzahl an ambulanten Möglichkeiten. Dazu gehört neben der Psychotherapie auch die Kunsttherapie.

Die Methoden der Kunsttherapie

Je nach persönlichem Interesse des Klienten werden in der Kunsttherapie zur Suchtbehandlung unterschiedliche Materialien und Techniken genutzt:

  • Malerei: Klassisch mit Stift oder Farben auf Papier mit den Händen oder dem Pinsel
  • Formende Gestaltung: beispielsweise mit Ton, Gips oder Pappmaché bis hin zu der Bearbeitung von Holz oder Stein
  • Spielerisch: Legungen im Sand, Spiel mit Erzählpuppen, oder Karten.

Wichtig zu wissen: Es ist in der Kunsttherapie nicht entscheidend, ob der- oder diejenige besonders künstlerisch talentiert ist. Viel entscheidender ist der Prozess an sich, also das Auseinandersetzen mit einem Thema oder einer Aufgabe. Aus der Kreativität und dem Umgang damit ergeben sich dann in anschliessenden Gesprächen Lösungsansätze und Heilungschancen. Der Phantasie sollen zunächst keine Grenzen gesetzt werden.

Farben und Formen schaffen Ausdrucksmöglichkeiten

Kunsttherapie hat gerade bei den unterschiedlichsten Suchterkrankungen einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie schafft Distanz zur Realität. Das bedeutet, dass sobald Kunst in der Suchttherapie eingesetzt wird, den KlientInnen die Möglichkeit gegeben wird, hinter ihrem Problem hervorzutreten.

Wenn Betroffene künstlerisch aktiv werden, dann setzen sie sich bewusst oder unbewusst mit ihren Empfindungen auseinander. Der Dialog zwischen Gefühlen, Sucht und Klient wird gefördert.

Im Verlauf der Behandlung lernen Betroffene, durch das künstlerische Gestalten, ihre Emotionen zu beeinflussen und zu lenken. Die Effekte können vielseitig sein:

  • Steigerung des Selbstwertgefühls und der Selbstkontrolle
  • Anstossen von Heilungsprozessen
  • Auseinandersetzen mit der Vergangenheit
  • Erkennen von Ursachen für die Sucht

Der wichtigste Aspekt dabei ist das Finden von neuen Lebensinhalten. Durch das Gestalten kann Betroffenen neue Wege aufgezeigt werden – das gelingt in kleinen Schritten beispielsweise dadurch, dass die KlientInnen erfahren, dass Gestalten Spass machen kann.

Prävention durch Kunst in der Suchttherapie

Jemand der süchtig ist, wird diese Krankheit sein Leben lang mit sich tragen. Daher ist nach der Behandlung eine gezielte und im besten Fall langfristige Prävention essentiell. Sonst droht vielen Süchtigen ein Rückfall. Auch in diesem Bereich ist die Kunst ein hervorragendes Mittel, um in der Suchttherapie zum Einsatz zu kommen.

Besonders wichtig ist eine langfristige Nachbearbeitung und Präventionsarbeit ebenfalls aus dem Grund heraus, dass viele Suchterkrankungen nicht alleine stehen. Zu einer Alkohol- oder Tablettensucht gesellen sich mitunter Depressionen, Angststörungen oder andere Psychosen hinzu.

Um diese Übel bei der Wurzel zu packen, kann die Kunsttherapie einen entscheidenden Beitrag leisten, langfristig gesünder zu werden und zu bleiben.

Wer süchtig ist, der verliert oft auch den Bezug zu seinen Mitmenschen – sein komplettes Leben dreht sich nur noch um seine persönliche Droge. Sobald der Klient einsichtig ist, findet er oder sie sich oft alleine wieder. Daher ist eine fundierte Kunsttherapeutin in der Suchtbehandlung von grosser Bedeutung.

Daneben werden in der Therapie die Beziehungen zu unterschiedlichen Bezugspersonen aufgearbeitet. Diese helfen während der Therapie und nach der Behandlung ganz entscheidend die Sucht zu überwinden und nicht rückfällig zu werden.

Wichtig für den Klienten: Die Heilung muss gewollt sein

Egal, um welche Form der Behandlung es geht, ob es sich um Kunst oder Musik in der Suchttherapie handelt, der entscheidende Punkt für den Erfolg ist der Klient selber.

Geheilt werden kann nur, wer seine Sucht selbst anerkennt. Daher ist es wichtig, auch in Zukunft über Sucht und Suchterkrankte zu reden und die Schwierigkeiten von der Sucht loszukommen offen darzulegen.